Rhine Pride „We can be Queeroes“ – ein Erlebnisbericht“  (Autor: Ben)

“Das Schiff legt an, die Gäste gehen an Bord, das Schiff legt ab und wir steuern gemeinsam dem Sonnenuntergang entgegen.” So könnte es anfangen, wenn es hier um eine öde Kreuzfahrt ginge, einen Wochenendausflug auf See, um mal kurz im Liegestuhl zu entspannen. Aber: Wir sind „Queeroes“, wir (er)leben die Vielfalt, unsere so schöne, bunte Vielfalt, und die Rhine Pride war wohl für alle in dieser schwierigen Zeit ein Erlebnis – und davon möchte ich hier berichten. 

Aber fangen wir noch etwas früher an, denn mir wurde schon im Vorfeld ein Blick hinter die Kulissen gewährt und als Teil der Crew konnte ich tatkräftig mithelfen, unseren Traum der Rhine Pride zu verwirklichen: Es galt immerhin insgesamt vier Schiffe und eine After-Show-Location queer-tauglich zu machen. Nach dem Vorbild der Amsterdam Pride entschieden wir uns für Luftballons, unzählige Luftballons, und so wurden im Vorfeld Hunderte dieser Ballons in allen Farben befüllt, verknotet und quer durch Duisburg-Ruhrort getragen. So begann unsere persönliche Rhine Pride: Mit bunten Ballonschlangen, die ihren Weg hinunter zum Hafen fanden, um dann mit viel Mühe entlang der Reling der Schiffe angebracht zu werden. Ergänzt durch jede Menge Flaggen, die jedwede geschlechtliche und sexuelle Orientierung repräsentierten, sowie eigens kreierte Schilder mit unseren Botschaften.  

Dann war es auch schon fast so weit: Zwei Stunden vor dem offiziellen Boarding hatten sich alle Helfenden auf dem Steg eingefunden. Die Queens und Kings legten noch letzte Hand an ihre Outfits und Makeups, bevor dann auch schon die ersten Gäste ankamen. Erst durch den Impf- und Test-Check, dann das Einlass-Bändchen abholen, von den Queens mit einem Drink begrüßt und an den Kings* vorbei mit den letzten Hygieneanweisungen an Bord der “Rheinfels”. Dort transformierten die DJanes dann umgehend die gehenden Beine in Tanzbeine und man feierte ausgelassen zu elektronischer Musik auf Deck.  

Ich hatte im Vorfeld überlegt, was eigentlich “queere Musik” ausmacht, um dann aber zu bemerken: Queere Musik ist es dann, wenn queere Menschen dazu feiern und ein Raum geschaffen wird, in dem Vorurteile fallen und Diskriminierung keine Rolle mehr spielt. Ob groß oder klein, dick oder dünn, von Geschlechterkategorien gar nicht erst zu sprechen. Wir sind schöne queere Menschen, die für eine Zukunft einstehen, in der die Welt endlich bunt und Vielfalt zur Selbstverständlichkeit geworden ist. 

Im Hafen kommunizierten wir von unserem Mutterschiff, der „Rheinfels“, mit unserem kleinen Konvoi bestehend aus „Lea“, „Major Tom“ und „Oskar“, und während der Fahrt wurden zwischendurch immer wieder die gebastelten Schilder emporgehalten, um unsere Botschaften und Forderungen den am Ufer verweilenden Zuschauenden zu präsentieren, die uns winkten und ihr Wohlgefallen zeigten. 

Als wenn das nicht schon alles Erlebnis genug gewesen wäre, hatten wir unsere eigene Entertainer*in, Claudine, an Bord, die sich mit einem Mikrofon bewaffnet richtig ins Zeug legte: Wie die Ansagen bei Fahrgeschäften wurden so u.a. die großartigen Sehenswürdigkeiten Duisburgs angepriesen, was die ohnehin ausgelassene Stimmung der feiernden Gäste weiter steigerte. Claudine wechselte dabei immer wieder zwischen Deutsch, Englisch und Französisch und erzählte mir später, dass alles improvisiert war und sie auch die unglaubliche Stimmung der Gäste als Inspiration dafür eingefangen habe. 

Dann wurde es aber noch einmal ernst, denn der Auftritt unseres „On Board“-Mainactes Xenia Ende nahte mit dem Sonnenuntergang. Ein zuvor von der Motto-Crew erarbeiteter und auf Band aufgenommener Forderungskatalog wurde in Playback mit enorm viel Hingabe in Gestik und Mimik präsentiert. Nicht wenige bekamen dabei Gänsehaut und einige Tränen vor Ergriffenheit, denn es offenbarte schonungslos, was in dieser Welt und auch einem doch eigentlich so aufgeschlossenen Land wie Deutschland noch alles zu tun ist. Im Anschluss daran wurde dann noch der David Bowie Klassiker „Heroes“ performt, aber natürlich in der zuvor überarbeiteten und aufgenommen Fassung „We can be Queeroes“, unserer persönlichen Hymne für mindestens dieses Wochenende! Auch wenn zu Playback performen gut sein kann und es in diesem Falle auch war, wurde uns dann vorab, noch bevor unsere Drag Queens uns auf der Aftershowparty begeistern sollten, von Ophelia ein Song live präsentiert – ich glaube, alle waren von der grandiosen Gesangsstimme dieser Queen angetan! 

Gegen 22 Uhr war es dann soweit: Die „Rheinfels“ legte wieder am Pier an und die Queeroes machten sich mit den Luftballonketten auf den Weg zum Veranstaltungsort „Hübi“ und hatten damit einen grandiosen Auftakt. Dort angekommen, hatten die Queens von den „Velvet Curtains“ schon draußen vor der Location Ihre kleine Bühne errichtet. Gefühlt hatte sich mittlerweile auch ganz Duisburg-Ruhrort eingefunden und selbst queere Menschen von weit her waren extra für diese Show angereist. Moderiert und angepriesen von den Queens Merrie und Aura bekamen wir dann ganz besondere Newcomer-Drag-Shows geboten: Mit schrillen Outfits und teils ungewöhnlichen Tanzeinlagen wurden nicht nur verschiedene Songs dargeboten, sondern auch eine Menge tiefgründige Inhalte präsentiert, wie z.B. ein sehr ernster Monolog über politische Partizipation. Auch überaus skurrile Situation gab es mit einem aus Brot kreierten BH, der „zur Fütterungszeit“ ins Publikum geschmissen wurde.  

Fürs kulinarische Wohl gab es übrigens köstliches afrikanisches Essen – nur mit einem freudigen Nicken und einem „Ja, gerne mit Chili“ sollte man hier trotz Vorliebe für scharfes Essen zurückhaltend sein. Drinnen im Hübi wurde dann zu Musik weiter gefeiert und es war auf jeden Fall schon im Morgengrauen, als die letzten Gäste die „Rhine Pride“ gingen und unsere Crew und Helfer*innen überaus glücklich zurückließen. 

Das, was mit so viel Arbeit und Mühe im Vorfeld geplant wurde, war einfach ein riesiger Erfolg und wir können es kaum erwarten, spätestens nächstes Jahr wieder „in See zu stechen“. Denn Vielfalt zu leben hört niemals auf:

We will be Queeroes – for ever and ever!  

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Rhinepride 2021
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